17.04.2026·12 Min. Lesezeit·steuerki.de

Thesaurierung §34a EStG: Lohnt sich das für deine GmbH?

Thesaurierung §34a EStG lohnt sich ab ca. 62.000€ Gewinn. Konkrete Rechnung, wann die Thesaurierungsbegünstigung Steuern spart und für welche GmbH-Inhaber sie passt.


Du führst eine Personengesellschaft oder überlegst, ob die Thesaurierung nach §34a EStG sich für dich lohnt? Die gute Nachricht: Bei ausreichend hohem Gewinn kann die Thesaurierungsbegünstigung eine attraktive Steuergestaltung sein. Dieser Artikel zeigt dir mit konkreten Zahlen, ab wann sich die Thesaurierung §34a EStG lohnt und welche Fallstricke du kennen musst.

Was ist die Thesaurierung nach §34a EStG überhaupt?

Die Thesaurierungsbegünstigung nach §34a EStG ist ein Steuermodell für Personengesellschaften (z.B. GmbH & Co. KG, OHG, KG) und Einzelunternehmen. Normalerweise zahlst du auf Gewinne aus Personengesellschaften deinen persönlichen Einkommensteuersatz – der kann schnell bei 42% oder sogar 45% (Reichensteuer) liegen.

Mit §34a EStG kannst du stattdessen wählen: Gewinne, die du im Unternehmen lässt (thesaurierst), werden mit einem reduzierten Satz von 28,25% (inkl. Solidaritätszuschlag) besteuert. Das entspricht fast dem Körperschaftsteuersatz einer GmbH (15% KSt + SolZ = ca. 15,825% + Gewerbesteuer). Der Haken: Wenn du das Geld später entnimmst, zahlst du die Differenz zum persönlichen Steuersatz nach – plus 25% auf die nachgelagerte Besteuerung.

  • Thesaurierungssatz: 28,25% (inkl. SolZ)
  • Nachversteuerung bei Entnahme: 25% auf die Differenz zum persönlichen Steuersatz
  • Gilt nur für nicht entnommene Gewinne
  • Antrag muss in der Steuererklärung gestellt werden
  • Wahlrecht gilt pro Jahr, bindend für alle begünstigten Gewinne dieses Jahres

Für wen lohnt sich die Thesaurierung §34a EStG konkret?

Die Thesaurierung lohnt sich vor allem, wenn dein persönlicher Grenzsteuersatz deutlich über 28,25% liegt und du das Geld längerfristig im Unternehmen lassen kannst. Ab einem zu versteuernden Einkommen von etwa 62.000€ (Single) oder 124.000€ (Verheiratet) liegt dein Grenzsteuersatz bei 42%. Hier wird die Thesaurierung interessant.

Wichtig: Die Thesaurierung ist primär ein Stundungsmodell, kein echtes Steuersparmodell. Du verschiebst die Steuerlast in die Zukunft. Der Vorteil entsteht durch Liquidität und Zinseffekt: Du kannst mehr Kapital im Unternehmen arbeiten lassen.

Tipp

Faustregel: Bei Grenzsteuersatz 42% und einer Thesaurierungsdauer von mindestens 5-7 Jahren lohnt sich §34a EStG meist. Bei kürzeren Zeiträumen oder niedrigerem persönlichen Steuersatz eher nicht.

Rechenbeispiel: Wann sich Thesaurierung 34a EStG lohnt

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an. Du betreibst eine GmbH & Co. KG und erzielst 2026 einen Gewinn von 150.000€. Dein persönlicher Grenzsteuersatz liegt bei 42% (plus Solidaritätszuschlag = ca. 44,31%). Du möchtest 100.000€ im Unternehmen lassen.

Variante A – Ohne Thesaurierung (normale Besteuerung):

  • Gewinn: 100.000€
  • Einkommensteuer (44,31%): 44.310€
  • Verbleibende Liquidität nach Steuern: 55.690€
  • Wenn du dieses Geld entnimmst: keine weitere Steuer

Variante B – Mit Thesaurierung nach §34a EStG:

  • Gewinn: 100.000€
  • Thesaurierungssatz (28,25%): 28.250€
  • Verbleibende Liquidität im Unternehmen: 71.750€
  • Sofortiger Liquiditätsvorteil: 16.060€ (71.750€ - 55.690€)

Wenn du die 71.750€ nach 5 Jahren entnimmst:

  1. Nachversteuerung: 25% auf (44,31% - 28,25%) = 25% auf 16.060€ = 4.015€
  2. Gesamtsteuerbelastung: 28.250€ + 4.015€ = 32.265€
  3. Effektive Steuerquote: 32,27% (statt 44,31%)
  4. Netto-Ersparnis: ca. 12.045€ plus Zinseffekt auf die höhere Liquidität über 5 Jahre

Tipp

Bei einer konservativen Rendite von 4% p.a. auf die zusätzlichen 16.060€ über 5 Jahre erwirtschaftest du ca. 3.470€ zusätzlich. Insgesamt sparst du also rund 15.500€ gegenüber der Sofortbesteuerung.

Wann lohnt sich die Thesaurierung nach 34a EStG NICHT?

Es gibt Szenarien, in denen die Thesaurierungsbegünstigung keinen Sinn ergibt oder sogar nachteilig ist:

  • Dein Grenzsteuersatz liegt unter 35%: Der Liquiditätsvorteil ist zu gering, die Verwaltung zu aufwändig
  • Du brauchst das Geld kurzfristig (unter 3 Jahre): Die Nachversteuerung frisst den Vorteil auf
  • Deine Gewinne schwanken stark: In Jahren mit niedrigerem Gewinn könnte dein persönlicher Steuersatz unter 28,25% fallen
  • Du planst, das Unternehmen bald zu verkaufen: Die Nachversteuerung kann kompliziert werden
  • Hohe Gewerbesteuerhebelwirkung: In Gemeinden mit hohem Gewerbesteuerhebesatz (über 400%) kann die Gesamtbelastung ungünstig werden

Außerdem: Die Thesaurierung erfordert penible Buchführung. Du musst genau nachweisen, welche Gewinne thesauriert wurden und welche Entnahmen du später tätigst. Fehler können teuer werden.

Thesaurierung vs. GmbH: Was ist besser für dich?

Viele GmbH-Inhaber fragen sich: Soll ich eine GmbH & Co. KG mit Thesaurierung nutzen oder gleich eine klassische GmbH? Hier die wichtigsten Unterschiede:

GmbH (Körperschaftsteuer):

  • KSt + SolZ: ca. 15,825%
  • Plus Gewerbesteuer (Ø 14-17%): Gesamt ca. 30-33%
  • Gewinnausschüttung: 25% Kapitalertragsteuer (+ ggf. Teileinkünfteverfahren bei über 25% Beteiligung)
  • Haftungsbeschränkung: Ja
  • Gründungskosten: ca. 1.000-2.000€

GmbH & Co. KG mit Thesaurierung:

  • Thesaurierung: 28,25% (+ Gewerbesteuer, abzgl. Anrechnung)
  • Plus Nachversteuerung bei Entnahme: 25% auf Differenz
  • Haftungsbeschränkung: Teilweise (Komplementär-GmbH)
  • Gründungskosten: ca. 2.500-4.000€
  • Mehr Flexibilität bei Gewinnverteilung

Tipp

Die GmbH & Co. KG mit Thesaurierung ist oft ideal bei schwankenden Gewinnen und wenn du langfristig Vermögen im Unternehmen aufbauen willst. Die reine GmbH ist einfacher bei stabilen Gewinnen und wenn du regelmäßig Ausschüttungen brauchst.

Praktische Umsetzung: So beantragst du die Thesaurierung

Wenn du dich für die Thesaurierung nach §34a EStG entschieden hast, musst du folgende Schritte beachten:

  1. Antrag in der Einkommensteuererklärung: Du musst das Wahlrecht in der Anlage zur Einkommensteuererklärung ausüben (keine separate Vorab-Anmeldung nötig)
  2. Gesonderte Feststellung: Das Finanzamt stellt die begünstigten Beträge gesondert fest – dokumentiere genau, welche Gewinne thesauriert wurden
  3. Buchhalterische Trennung: Führe ein separates Konto für thesaurierte Gewinne, um spätere Entnahmen eindeutig zuordnen zu können
  4. Jährliche Prüfung: Jedes Jahr neu entscheiden, ob die Thesaurierung Sinn ergibt – du bist nicht dauerhaft gebunden
  5. Dokumentation bei Entnahme: Wenn du später Geld entnimmst, muss klar sein, ob es sich um thesaurierte Gewinne handelt (Nachversteuerung) oder andere Mittel

Wichtig: Die Nachversteuerung wird fällig, sobald du thesaurierte Gewinne entnimmst – nicht erst beim Verkauf des Unternehmens. Plane deine Entnahmen strategisch, idealerweise in Jahren mit niedrigerem sonstigen Einkommen.

Tipp

Arbeite unbedingt mit einem Steuerberater zusammen, der Erfahrung mit §34a EStG hat. Die korrekte Dokumentation spart dir später viel Ärger und Geld. Kosten: ca. 300-800€ Mehraufwand pro Jahr, die sich aber lohnen.

Fazit: Lohnt sich die Thesaurierung §34a EStG für dich?

Die Thesaurierung nach §34a EStG lohnt sich, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: (1) Dein Grenzsteuersatz liegt bei mindestens 42%, (2) du kannst das Geld mindestens 5 Jahre im Unternehmen lassen, und (3) du bist bereit, die höhere Verwaltungskomplexität zu tragen.

Bei einem Gewinn von 100.000€ und einer Thesaurierungsdauer von 5-7 Jahren kannst du leicht 12.000-15.000€ Steuern stunden und durch den Liquiditätsvorteil zusätzlich verdienen. Für Unternehmer mit schwankenden Gewinnen oder kurzfristiger Entnahme-Notwendigkeit ist die klassische GmbH oft die bessere Wahl.

Denk daran: Die Thesaurierung ist kein Steuersparmodell im engeren Sinn, sondern ein Stundungsinstrument. Der echte Vorteil liegt im Liquiditätsgewinn und der Möglichkeit, mehr Kapital im Unternehmen arbeiten zu lassen. Mit der richtigen Planung und professioneller Begleitung kann §34a EStG ein mächtiger Hebel für deinen Vermögensaufbau sein.

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Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Steuerberatung dar. Die konkreten Auswirkungen der Thesaurierung hängen von deiner persönlichen Situation ab. Für verbindliche Auskünfte konsultiere bitte einen Steuerberater.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Steuergesetze können sich ändern. Bitte konsultiere einen Steuerberater für deine persönliche Situation.

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